Workshop 3: Dr. Konstanze Kriese – Problemzone Frau.

WS 3

Drei Studentinnen* zogen aus, um die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung davon zu überzeugen, dass die Zahl der Essgestörten bedrohlich zunimmt. Fehlanzeige. Übrig blieb ihre nie realisierte Kampagne.

„Dieses hyperdünne Schönheitsideal fällt präzise mit dem Erstarken der feministischen  Bewegung zusammen, dass Misstrauen geboten ist. Es fällt schwer, in dieser ‚Ästhetik der Dürre‘ nicht einen bewussten oder vielleicht auch unbewussten Versuch zu sehen, auf die Forderung von Frauen nach mehr Raum in der Welt zu kontern.“, schrieb Susi Orbach 1989. Die Pädagogin Lotte Rose, die sich mit Kunstturnerinnen beschäftigte, kam zu dem Schluss, dass unter anderem diese Vertreterinnen des Hochleistungssports eindrucksvoll das „gewünschte Körperbild repräsentieren: schlank, grazil, sportlich-fit, fettlos, kontrolliert und kindhaft – die neuen Anforderungen an Frauen“ und musste festhalten, dass nur diese Körper: „In die männliche Sphäre eindringen, daran teilhaben, sich bewähren, Kompetenzen entwickeln, aber dabei immer weiblich bleiben, ständige Gratwanderungen vollführen, bei männlicher Leistung spielerisch weibliche Leichtigkeit zu zeigen.“ haben. Statt Freiheit – Hingabe an den Schlankheitswahn, rigide Kontrolle und Selbstunterdrückung? Viele Frauen bändigen ihre zyklischen Körper, absolvieren Menstruation, Schwangerschaft und Wechseljahre möglichst unauffällig, passen sich den linearen Zeitstrukturen eher männlich-codierter Körper und dem männlich-industriell strukturierten Berufsleben an. Sie stehen zugleich in einer Kulturgeschichte der Abartigkeit, des Andersseins, des Mängelwesens. Die (europäischen) kulturgeschichtlichen Zuschreibungen zwischen Mutter und Hure – allesamt einer Mutter-von-wem und wessen-Hure -Logik verpflichtet, haben als vordringliche unserer Zeit ausgedient. Doch womit haben sie viele ökonomisch unabhängige Frauen, die Bildungs- und Teilhabebarrieren überwunden haben ersetzt?

*Alle Zitate und die Fotos aus: Deuser, Karin; Gläser, Elisabeth; Köppe, Daniela: 90.60.90 Zwischen Schönheit und Wahn. Das Buch zum Schlankheitskult., Berlin, 1995

Der Workshop findet statt im Rahmen der frauensommerakademie*2013.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s