Workshop | Die Stadt für alle wird feministisch sein oder sie wird nicht sein?!                          Planungstheorie, Planungsdiskurs und Planungspraxis im Blick.

Die Wissenschaftstheoretikerin Sandra Harding erläutert in ihrem Buch „The Science Question in Feminism“(1986), dass der Wissenschaftsbetrieb mindestens ebenso patriarchal und hierarchisch strukturiert ist, wie alle anderen Gesellschaftsbereiche und Institutionen und argumentiert:

„(…)die gesellschaftlichen Verhältnisse, welche die Auswahl und Formulierung wissenschaftlicher Probleme determinieren, beschränken sich nicht auf Diskurse und Verhandlungen, die man miteinander, mit den wissenschaftlichen Traditionen und mit der »Natur« führt – auch wenn es in Wissenschaftstheorien und -geschichten und in Lehrbüchern gerne so dargestellt wird. Diese gesellschaftlichen Verhältnisse, und damit auch das Bild, das die Wissenschaft von der Wirklichkeit zeichnet, sind das Produkt der gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse des Wissenschaftsbetriebes, und diese wiederum sind zutiefst in die umfassenden Strukturen jener Gesellschaft(en) eingelassen, die die Wissenschaft fördern und unterstützen. Die Menschen springen nicht nackt aus dem Schoß in die gesellschaftlichen Verhältnisse des Labortisches. Diese nämlich sind nur eine Verlängerung der gesellschaftlichen Verhältnisse aller anderen Tische in der Kultur, ob sie nun in Küchen, Klassenzimmern, Umkleideräumen oder Sitzungssälen stehen.“

Autorinnen wie Harding haben seitens der feministischen Erkenntnistheorie und Wissenschaftstheorie der letzten vierzig Jahre die Ungleichheit der Geschlechter, die sich immer wieder reproduziere angeprangert. Dank dieses Diskurses blicken wir heute auf eine existierende feministische (Stadt-)Planungskritik ebenso, wie auf feministische Stadtforschung, die zunehmend interdisziplinär wird und die Vielfalt der Geschlechteridentitäten aufgreift.

Die Frankfurter Stadtforscherin Marianne Rodenstein forderte bereits 1991:

„Die analyseorientierte sozialwissenschaftliche Richtung der feministischen Stadt- und Regionalforschung kann nicht darauf warten, daß ihr von der feministischen Sozialwissenschaft in absehbarer Zeit ein für ihr Problemfeld adäquater theoretischer Bezugsrahmen zur Verfügung gestellt wird. Sie muß sich vielmehr selbst mit Fragen des Zusammenhangs von Prozessen kapitalistischer und patriarchaler Vergesellschaftung im städtischen und ländlichen Raum auseinandersetzen. Wie stehen z.B. die Veränderung der Haushaltstypen im städtischen Raum mit Veränderungen in der Erwerbsstruktur, mit lokalen ökonomischen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt und mit der Auflösung von Familienstrukturen in Zusammenhang?“

Dieselbe Forscherin bescheinigte der herrschenden Stadtplanung bereits in den 1980er Jahren, Angsträume zu schaffen, die vor allem Frauen bedrohten. Auch ihr ist es zu verdanken, dass heute über Angsträume im gebauten Raum gesprochen wird und Stadtplanung auch diesbezüglich barriereärmer wird.

Heute existieren gendersensible Planungsleitfaden für die Stadt- und Umweltplanung landauf und landab und das Thema Gendermainstreaming hat inzwischen auch die letzte Amtsstube erreicht. Doch wie bekommen wir die gesellschaftlichen (Männer-)Verhältnisse  in Wissenschaft, Parlament und Gesellschaft in den Blick? Und wieso ist es ausgerechnet die Stadtplanungspolitik, dem sich die gesellschaftliche Linke widmen muss, im „Jahrhundert der Städte“? Wie also kann es gelingen die Planungsfrage als gesellschaftliche Frage – die Geschlechterfrage inklusive – zu diskutieren?!

Darüber möchte die Stadtforscherin und LINKE Katalin Gennburg in dem Workshop mit euch diskutieren!

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